Inhalative Sedierung

Neuroprotektion


Thema: Analgosedierung

 
Prof. Dr. med. Jörg Rathgeber

Jörg Rathgeber

Prof. Dr. med., Hamburg

Kontakt

Neuroprotektion

Neuroprotektive Wirkungen wurden schon vor Jahrzehnten vermutet (Ori et al. 1986, Newberg et al. 1983) und auch in jüngeren Studien bestätigt (Head uand Patel 2007, McMurtrey and Zuo 2010, Zhao P et al. (2007) Isoflurane preconditioning improves long-term neurologic outcome after hypoxic-ischemic brain injury in neonatal rats. Anesthesiology 107:963–9707, McAuliffe JJ et al. (2007) Isoflurane-delayed preconditioning reduces immediate mortality and improves striatal function in adult mice after neonatal hypoxia-ischemia. Anesth Analg 104:1066–1077, Zheng S, Zuo Z (2004) Isoflrane preconditioning induces neuroprotection against ischemia via activation of P38 mitogen-activated protein kinases. Mol Pharmacol 65:1172–1180, Lee JJ et al.(2008) Postconditioning with isoflurane reduced ischemia-induced brain injury in rats. Anesthesiology 108:1055–1062).

Dennoch wird der Einsatz von volatilen Anästhetika bei Patienten mit cerebralen Einschränkungen derzeit noch kontrovers beurteilt (Fugate et al. 2010). Gefürchtete, aber nicht bestätigte Nebenwirkungen sind u.a. der Anstieg des intracraniellen Drucks (Bösel et al. 2012) oder direkte zelltoxische Effekte. Erfolgreiche Einsätze bei therapierefraktärem Status epilepticus wurden beschrieben (Kofke et al. 1985, Mirsattari et al. 2004).

Mögliche neuroprotektive Mechanismen volatiler Anästhetika sind die Stabilisierung und Verstärkung des Blutflusses im periischämischen Bereich bei gleichzeitiger Reduktion des zerebralen Metabolismus mit resultierend besserer Balance zwischen Sauerstoffversorgung und -verbrauch der Neurone. Außerdem werden vermutlich weniger Sauerstoffradikale gebildet bzw. besser abgefangen, und die Substanzen haben anti-apoptotische und antiexizotoxische Effekte.

Im Tiermodel scheinen Isofluran und Sevofluran die Shivering-Schwelle möglicherweise dosisabhängig zu senken (Hanagata K et al. Anesth Analg 1995; 81: 581-584). Sevofluran und Isofluran wirken bei präischämischer Gabe (Präkonditionierung) in neuronalen Kulturen und Rattenmodellen für fokale und globale Ischämie konsistent neuroprotektiv. Bzgl. der periischämischen Anwendung sind die Ergebnisse jedoch inkonsistent.

Die inhalative Sedierung erscheint in der neurologischen/neurochirurgischen Intensivmedizin als eine Alternative für schwer sedierbare Patienten, z.B. mit Suchterkrankungen, mit dyskinetischen Erregungszuständen, oder therapierefraktärem Status epilepticus.

Bis zum Vorliegen weiterer Untersuchungen sollte der Einsatz unter Kontrolle des intracraniellen Drucks erfolgen.

Aus dem Inhalt


Monitoring der Sedierungstiefe

Ein entscheidender Vorteil gegenüber der Verwendung von intravenösen Substanzen besteht in der Möglichkeit einer kontinuierlichen Abschätzung der aktuellen Sedierungstiefe.

weiter…


Kontraindikationen?

Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die in der…

weiter…


Vorteile im Überblick

Volatile Anästhetika besitzen extrem kurze kontextsensitive Halbwertszeiten.

weiter…


Arbeitsplatzbelastung durch volatile Anästhetika?

Eine mögliche Arbeitsplatzbelastung mit Narkosegasen ist ein häufig vorgebrachtes Argument gegen den Einsatz volatiler Anästhetika auf der Intensivstation…

weiter…


Warum wird VA nicht flächendeckend eingesetzt?

Trotz aller Vorzüge werden volatile Anästhetika derzeit in der klinischen Routine auf der Intensivstation nur vergleichsweise selten eingesetzt.

weiter…


Links zum Thema

Linksammlung zum Thema "Inhalative Sedierung". Links zu Videos und weiteren Hintergrundinformationen.

weiter…


Sachregister

Von A wie Akkumulation bis W wie Wirkeintritt.

weiter…


Wandel der Konzepte zur Analgesie und Sedierung

Wurde noch in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die tiefe Sedierung bei beatmeten Patienten bevorzugt, ermöglichen heute neue Therapieverfahren, Beatmungsgeräte und Medikamente die schnelle und kurzzeitige Angleichung der Sedierungs…

weiter…

Hinweis


User Hinweis

Diese Webseite stellt eine Daten- und Artikelsammlung zum Thema "Inhalative Sedierung" dar.

Jede Applikation bzw. Dosierung erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers.

Mit der weiteren Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden.

Weitere Informationen im Impressum.

Falls Sie der Nutzungsbedingung nicht zustimmen, klicken Sie bitte hier.