Inhalative Sedierung

Schnellere Aufwachzeiten


Thema: Analgosedierung

 
Prof. Dr. med. Jörg Rathgeber

Jörg Rathgeber

Prof. Dr. med., Hamburg

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Schnellere Aufwachzeiten

Schon seit vielen Jahren wurden immer wieder Versuche unternommen, die aus der Narkose bekannten Inhalationsanästhetika - Isofluran, Sevofluran, Desfluran - für die Sedierung beatmeter Patienten auf der Intensivstation zu nutzen.

Denn volatile Anästhetika verfügen im Vergleich zu den bekannten intravenösen Sedativa über eine extrem kurze kontext-sensitive Halbwertszeit (Abb.) und damit eine exzellente Steuerbarkeit, weshalb sie für die kontinuierliche Sedierung geradezu prädestiniert sind.

Bild: Kontextsensitive Halbwertszeiten im Vergleich
Kontextsensitive Halbwertszeiten

Dabei ist ihre Metabolisierungsrate gering, aktive Metabolite werden nicht gebildet und es findet keine Enzyminduktion statt. Aus der jahrzehntelangen millionenfachen Anwendung in der Narkose ist die in klinischen Dosierungen praktisch fehlende Toxizität sowie die ausgezeichnete Sedierungsqualität in allen Sedierungsstufen bis zur tiefen Narkose bekannt.

Zahlreiche Untersuchungen belegen die Vorteile volatiler Anästhetika gegenüber Propofol und Midazolam hinsichtlich Aufwachzeiten, Vigilanz, Steuerbarkeit sowie Nebenwirkungen. So berichteten Meiser und Laubenthal über verkürzte Aufwachphasen, fehlende Atemdepression und geringere Beeinträchtigung der Darmmotilität mit der Möglichkeit eines früheren enteralen Kostaufbaus (Meiser und Laubenthal 2005).

Mesnil und Mitarbeiter verzeichneten eine verbesserte Qualität des Aufwachens ohne Entzugserscheinungen nach Absetzen der Sedierung mit volatilen Anästhetika sowie einen verringerten Morphinkonsum nach Extubation (Mesnil et al. 2011, Sackey et al. 2005). Eine Kernaussage aller Arbeiten ist, dass die Extubationszeiten nach Sedierung mit allen volatilen Anästhetika signifikant niedriger sind als nach Midazolam und/oder Propofol. Ähnliches gilt für den Zeitraum bis zum Befolgen verbaler Aufforderungen.

Keine Toleranzentwicklung,
weniger Entzugsdelire

Da es bei auch langdauernder Verwendung von volatilen Anästhetika weder zu Toleranzentwicklung noch zu Ceiling-Effekten kommt, Interaktionen mit anderen Medikamenten nicht bekannt sind und es zudem nach Beendigung der Anwendung seltener zum Auftreten von Entzugsdeliren kommen soll, sind volatile Anästhetika fast ideale Sedativa.

Aus dem Inhalt


Warum wird VA nicht flächendeckend eingesetzt?

Trotz aller Vorzüge werden volatile Anästhetika derzeit in der klinischen Routine auf der Intensivstation nur vergleichsweise selten eingesetzt.

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Welche Rolle spielt die Halbwertszeit der Substanzen

Zur Beurteilung der Wirksamkeit von Sedativa und Analgetika reicht es nicht aus, sich nur mit der Pharmakodynamik der Substanzen…

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Kardioprotektion

Neben kurzen Aufwachphasen […] und kurzen Zeiträumen bis zur Extubation […] sind die kardioprotektiven Wirkungen volatiler Anästhetika schon seit Jahren bekannt…

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Nachteile intravenöser Sedativa

Die angepasste Sedierung der Patienten auf der Intensivstation ist schon seit vielen Jahren akzeptierter Standard …

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Technische Voraussetzungen…

Derzeit werden auf dem Markt zwei unterschiedliche Systeme zur Applikation von volatilen Anästhetika zur Sedierung von beatmeten intensivmedizinischen Patienten angeboten

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Heutige Sedierungsregimes

Trotz der allgemein akzeptierten Notwendigkeit einer adäquaten Analgosedierung besteht derzeit weder bei den Intensivmedizinern noch beim Pflegepersonal ein breiter Konsens, wie und mit welchen…

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Kontraindikationen?

Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die in der…

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Was sind die Vorteile?

Die Vorteile der inhalativen Sedierung auf einer Seite für Sie zusammengestellt.

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