Inhalative Sedierung

Wandel der Konzepte zur Analgesie und Sedierung


Thema: Analgosedierung

 
Prof. Dr. med. Jörg Rathgeber

Jörg Rathgeber

Prof. Dr. med., Hamburg

Kontakt

Wandel der Konzepte
zur Analgesie und Sedierung

Dabei hat sich in den letzten Jahren ein grundlegender Wandel hinsichtlich der Konzepte zur Analgesie und Sedierung vollzogen. Wurde noch in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die tiefe Sedierung bei beatmeten Patienten bevorzugt, ermöglichen heute neue Therapieverfahren, Beatmungsgeräte und Medikamente die schnelle und kurzzeitige Angleichung der Sedierungstiefe an die Invasivität der aktuell erforderlichen Maßnahmen.

Das Ziel der Maßnahmen ist somit in aller Regel nicht mehr der tief sedierte, beatmungspflichtige Patient, sondern der leicht sedierte/analgesierte, schmerzfreie Patient, der spontan am Respirator atmet, die maschinelle Unterstützung durch den Respirator toleriert, dabei auf Ansprache wach ist und adäquat reagiert.

Nur im Zustand der leichten Analgosedierung ist der Atemantrieb des Patienten mit der pathophysiologisch wichtigen Innervation des Zwerchfells als Hauptatemmuskel intakt, der für den Erhalt der Lungenfunktion und des pulmonalen Gasaustauschs bzw. dessen Wiederherstellung von größter Bedeutung ist.

Nachteile für den Patienten
von zu tiefer Sedierung

Tiefere Sedierungsgrade führen zum Verlust der Spontanatmung mit Erhöhung des maschinellen Beatmungsanteils und konsekutiver Verschlechterung der Lungenfunktion und sollten deshalb vermieden werden. Damit einhergehend nimmt auch der Hustenstoß ab, so dass über die Reduktion der bronchialen Clearancefunktion das Risiko sekundärer pulmonaler Infektionen steigt.

Auswirkungen
inadäquater Analgosedierung

Tabelle. Auswirkungen von inadäquater Analgosedierung
zu wenigzu viel
SchmerzKoma
AngstAtemdepression
StressBeeinträchtigung der bronchialen Clearance
Unruhe, Schwitzenerschwerte Mobilisation
Hypertonie, TachykardieHypotonie, Bradykardie
Hypoxie, HyperkapnieIleus
DurchgangssymptomatikVerschleierung von Komplikationen
 Toleranz, Gewöhnung

Weitere Nachteile

Die Beeinflussung der Bewusstseinslage als Folge tiefer Analgosedierung führt auch zur Verschlechterung der Kommunikation mit dem Patienten und beeinträchtigt damit die Beurteilung seines neurologischen Status. Nur kurzwirksame Medikamente erlauben die regelmäßige (z.B. tägliche) kurzzeitige Beendigung der Sedierung, beispielsweise zur neurologischen Beurteilbarkeit des Patienten.

Weiterhin wird die Mobilisation des Patienten erschwert, was wiederum die Entstehung pulmonaler Komplikationen und damit die Verlängerung der maschinellen Beatmung begünstigt.

Klinisch bedeutsam ist auch die dosisabhängige Störung der Darmmotilität, vor allem durch Analgetika vom Opioidtyp. Der Aufbau der enteralen Ernährung wird verzögert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. So ist bekannt, dass die Darmwand schon vor einem manifesten paralytischen Ileus durch Atonie, nicht ausreichende Perfusion und fehlende Stimulation durch enterale Ernährung durchlässiger wird für biogene Amine, Endotoxine und Bakterien.

Die gestörte Funktion des Gastrointestinaltrakts mit Einschränkung der Darmmotilität gilt daher auch als „Motor des Multiorganversagens“.

Anforderungen an
adäquate Sedierung und Analgesie

In jedem Fall sollte bei beatmeten Patienten als Ergebnis einer adäquaten Sedierung und Analgesie

  • das frühzeitige Weaning,
  • eine frühzeitige Extubation
  • und daraus resultierend eine verkürzte intensivmedizinische Behandlungsphase möglich sein.

Bei der Auswahl der einzusetzenden Substanzen sollte die zu erwartende Dauer der Analgesie und Sedierung berücksichtigt werden, um die unterschiedlichen pharmakologischen Besonderheiten der eingesetzten Substanzen zu nutzen.

Aus dem Inhalt


Klinische Praxis der Analgosedierung

In Deutschland erfolgt die Sedierung von Intensivpatienten heutzutage mehrheitlich durch intravenös applizierbare Substanzen. Weit verbreitet ist die Verwendung von Propofol zur Sedierung, oftmals auch in Kombination mit einem Opioid wie z.B. …

weiter…


Was sind die Vorteile?

Die Vorteile der inhalativen Sedierung auf einer Seite für Sie zusammengestellt.

weiter…


Fragen & Antworten

Fragen und Antworten zur inhalativen Sedierung.

weiter…


Neuroprotektion

Erfolgreiche Einsätze bei therapierefraktärem Status epilepticus wurden beschrieben…

weiter…


Das MIRUS-System

Durch die Umwandlung des flüssigen Anästhetikums in die Gasphase im Hochdruckverdampfer können auch Gase, deren Siedepunkt im Bereich der Raumlufttemperatur liegt - wie Desfluran - mit höchster Genauigkeit appliziert werden.

weiter…


Nachteile intravenöser Sedativa

Die angepasste Sedierung der Patienten auf der Intensivstation ist schon seit vielen Jahren akzeptierter Standard …

weiter…


Arbeitsplatzbelastung durch volatile Anästhetika?

Eine mögliche Arbeitsplatzbelastung mit Narkosegasen ist ein häufig vorgebrachtes Argument gegen den Einsatz volatiler Anästhetika auf der Intensivstation…

weiter…


Monitoring der Sedierungstiefe

Ein entscheidender Vorteil gegenüber der Verwendung von intravenösen Substanzen besteht in der Möglichkeit einer kontinuierlichen Abschätzung der aktuellen Sedierungstiefe.

weiter…

Hinweis


User Hinweis

Diese Webseite stellt eine Daten- und Artikelsammlung zum Thema "Inhalative Sedierung" dar.

Jede Applikation bzw. Dosierung erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers.

Mit der weiteren Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden.

Weitere Informationen im Impressum.

Falls Sie der Nutzungsbedingung nicht zustimmen, klicken Sie bitte hier.